Heute haben Irland und seine Mitte-Rechts-Koalition in einer geografisch schwierigen Zeit den Vorsitz im Rat der EU-Mitgliedstaaten inne. Ein besonderer Schwerpunkt wird bis zum Jahresende auf Premierminister Michael Martin liegen: „Taoiseach“, so der irischsprachige Titel des Amtes, verfügt über ein 68-seitiges Programm mit mehreren Schwerpunkten als Leitfaden.
Hinterlassen Sie eine Anzeige
Wirtschaft, Finanzen, Expansion
Das übergeordnete Ziel der Präsidentschaft besteht darin, die wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit Europas zu stärken, die europäische Integration weiterzuentwickeln und als ehrlicher Vermittler zwischen den Mitgliedstaaten aufzutreten. Die Vorzüge des Händedrucks sollten im Vordergrund stehen, so scheint es – Martin sollte wirklich wissen, was er bedeutet: Geboren in Cork, Südirland, aus einfachen Verhältnissen stammend, studierte er einst Geschichte am dortigen University College und widmet sich nun 40 seiner 65 Jahre der Politik. Seine Partei, Fianna Fáil, verfügt über Erfahrung in der Regierungsführung.
Dublin will sich auf den europäischen Finanzsektor mit Blick auf einen gemeinsamen Kapitalmarkt und den digitalen Euro konzentrieren. Irland scheint sich seiner europäischen Werte bewusst zu sein – seit dem 1. Januar 1973 ist die Insel Mitglied der Europäischen Union (damals Europäische Gemeinschaft). Allerdings bleibt abzuwarten, ob der Anspruch, plötzlich im Zentrum Europas zu stehen, umsetzbar ist.
Das ist nicht immer so: Im Februar war Martin einer von nur acht EU-Staats- und Regierungschefs, die nicht zu einem Frühstückstreffen in der belgischen Provinz Limburg eingeladen wurden. Aufregung darüber, dass Irland noch eine Weile die Zügel in der Hand hält, herrscht auf der „Saphirinsel“ jedenfalls nicht. Die grundlegende Frage lautet: Wie soll Dublin für Europa funktionieren, wenn die Problemlösungsfähigkeiten der Regierung zu Hause zu wünschen übrig lassen? Wie im übrigen Europa sind auch in Irland die Lebenshaltungskosten in die Höhe geschossen, außerdem gibt es Probleme mit der Infrastruktur und einen angeschlagenen Wohnungsmarkt.
Mehrere US-Technologiegiganten in Irland
Auch die enge Verbindung Irlands mit US-amerikanischen Technologiegiganten, die hier ihren europäischen Hauptsitz haben – etwa Apple, Google, Microsoft, Meta und Amazon – wirft einen Schatten voraus. Sie sorgen für Körperschaftssteuereinnahmen, zeichnen aber nicht das beste Bild in einer Zeit einer US-Regierung unter Donald Trump, die mitunter europafeindlich eingestellt ist.
„Irland wird sich weiterhin für Frieden, internationales Recht und das multilaterale, regelbasierte System einsetzen“, betonte Martin. Er sieht die irische Neutralität – sie sind nicht Teil der NATO, sondern in der „Partnerschaft für den Frieden“ aktiv – anders: Sie seien „politisch, diplomatisch und militärisch engagiert“. Der letzte Punkt wurde nicht überall im Land gut angenommen.
Hinterlassen Sie eine Anzeige
