Wo in politischen Debatten der Wind weht, kann an Orten, die nicht weit voneinander entfernt sind, sehr unterschiedlich sein. Einstellungen können sich im Handumdrehen ändern. Ausgerechnet die Windkraft ist derzeit ein Paradebeispiel dafür. „Der Schutz von Bergen und Almen muss gewährleistet sein!“, „Keine Windkraftanlagen mehr nur mit FPÖ!“, „Wir werden uns der Windenergielobby nicht beugen!“ – Solche Sätze hört man seit Jahren von der Kärntner FPÖ. Außerdem startete sie einen Volksentscheid gegen mehr Windkraftanlagen in Kärnten; Daraufhin beschlossen alle vier Landtagsfraktionen eine strikte Windenergiewidmung mit vier Zonen und maximal 50 Windenergieanlagen.
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Mittlerweile sind in der Steiermark mehr als 120 Windenergieanlagen in Betrieb (70 weitere sind im Genehmigungsverfahren), außerdem sieht das gerade eingeführte „Windenergieprogramm“ 18 neue oder erweiterte Windenergiegebiete vor. Damit könnten in der Steiermark bis zu 150 zusätzliche Windkraftanlagen gebaut werden. Während die FPÖ von Parteichef Herbert Kickel gegen die Windkraft wettert („Umweltbombe“, „schnelle Bodenversiegelung“, „Vogelsterben“), drängt das blau-schwarze Bundesland auf den Turboausbau.
Winterliche Stromlücke in Kärnten
Der neue Kärntner Landeshauptmann Daniel Fellner (SPÖ) findet Windkraftanlagen hingegen „beschissen“. Dass die Berge Kärntens schöner und schützenswerter sind als die Berge der Steiermark, ist aus Sicht des Lokalpatriotismus verständlich. Bemerkenswert ist jedoch, wie unterschiedlich das Thema in den Bundesländern angegangen wird. Und das, obwohl Kärnten im Winter bis zu 35 Prozent seines Strombedarfs importieren muss, wie eine aktuelle Studie der Österreichischen Energieagentur (AEA) zeigt. In einem besonders wasserreichen Jahr (Kärnten hat einen hohen Anteil an Strom aus Wasserkraft) sinkt diese „Winterstromlücke“, also die Differenz zwischen der erzeugten Energie und der im Winterhalbjahr benötigten Energie, auf Null. Experten sagen jedoch, dass diese Lücke mit 100 statt 50 Windkraftanlagen zuverlässig geschlossen werden kann. Dies entspricht den Vorgaben des Entwurfs des Erneuerbare-Energien-Ausbaubeschleunigungsgesetzes (EABG), das für jedes Bundesland verbindliche Ausbauziele festlegt. Dies ist immer noch nicht die erforderliche Zweidrittelmehrheit.
Die Diskussion endet an den Landesgrenzen
Was bleibt, ist eine oft schwarz auf weiß geführte Debatte, die häufig an den Landesgrenzen endet – in Vorarlberg, Tirol und Salzburg dreht sich noch kein einziges Windrad. Nicht jeder, der Windkraftanlagen auf Almen und Bergen kritisiert, ist abschreckend. Und nicht jeder da draußen, der Windenergie fördert, ist vor der Lobby reflexartig. Durch die Festlegung von Beschleunigungszonen wird ein klarer Rahmen vorgegeben. Angesichts der globalen Krise ist mehr Tempo beim Ausbau erneuerbarer Ressourcen nötig, doch das Spannungsfeld zwischen Freiheit, Versorgungssicherheit, Landschaft, Natur und Klimaschutz wird bestehen bleiben.
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