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Treibstoffmangel: Der Kriegsalltag ist in Moskau angekommen

    Treibstoffmangel: Der Kriegsalltag ist in Moskau angekommen

    An der letzten Lukoil-Tankstelle am Leninskij Prospekt außerhalb der Stadt gibt es Benzin, wie man an einer Menschenmenge von etwa 40 Autos vor acht Zapfsäulen erkennen kann. Viele von ihnen sind voller junger Frauen mit gelangweilten Gesichtern, dem Moskauer Vormittagspublikum. Fahrer „Sweets“ schaut aus dem Pickup. Sucht er schon lange nach Benzin? „In Taboil auf Michurinsky, wo ich eigentlich Benzin bekomme, war niemand mehr übrig.“ Aber sie sagten, der Tanker könnte heute kommen, sagt er. Das Problem ist, dass der Kraftstoff schlecht verteilt wird. Und: „Sie werden Moskau immer beliefern.“

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    Aber zum ersten Mal in Putins Russland müssen die Moskauer Benzin erfinden. Von den neun heute besuchten Tankstellen haben fünf kein Benzin, eine nur Normalbenzin, drei haben Normal- und Superbenzin. Betrüger nutzen bereits Telegram-Bots, um staatliche Gutscheine für Benzin anzubieten, und an der Tür steht ein Spekulant, der kostenlosen Treibstoff verspricht – fast eine Situation wie auf der Krim, wo die Behörden inzwischen den Verkauf von Benzin an Privatkunden eingestellt haben.

    Drohnenangriffe treffen Russland

    Am Mittwoch wurde die große Gazpromneft-Raffinerie am östlichen Rand Moskaus bei einem Massenangriff von mehr als 500 ukrainischen Drohnen zumindest teilweise zerstört. Als Folge der wiederholten feindlichen Luftangriffe auf Raffinerien und Treibstoffdepots, die schätzungsweise 30 Prozent der russischen Treibstoffproduktion zum Erliegen brachten, herrscht nun eine gesamtrussische Benzinkrise. Viele Markentankstellen verkaufen zudem nur Cappuccino, Behörden und Anbieter führen eine 20-Liter-Grenze ein und die Preise sind um 50 Prozent und mehr gestiegen.

    Verblüffte Moskauer beobachten, wie Panzer-Flugabwehrsysteme auf den Dächern von Hochhäusern stationiert werden; Laut The Telegraph wurden auch mit Stahlgittern ausgerüstete Panzer gesichtet, die feindlichen Kampfdrohnen gegenüberstanden, die offenbar von der Front her vorrückten. Nachbarn in Moskau sagen, sie hätten in der Nacht Maschinengewehrfeuer von mobilen Drohnenjagdgruppen gehört. Unterdessen jagen Tausende Sommerurlauber Flüge nach Sotschi oder Antalya, die aus Angst vor Drohnen verschoben wurden. Der Kriegsalltag hat Moskau erreicht, allerdings nicht unbedingt öffentlich. Statt Luftalarm oder Treibstoffmangel beginnt die Zeitung „Wetscharnaja Moskwa“ mit einer Warnung vor Windböen. Die Rauchsäulen über der Gazpromneft-Raffinerie schafften es nie ins Staatsfernsehen. Ein Bekannter, der keineswegs ein Putin-Anhänger ist, blickt verdutzt auf die Frage, ob er seit Beginn der Krise aufgetankt habe. „Von welcher Gaskrise sprechen Sie?“

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    Moskauer sind privilegiert

    Moskauer sind an Sicherheit, Wohlstand und Komfort gewöhnt. Und Ihr privilegierter „Gesellschaftsvertrag“ mit dem Regime: Sie verwöhnen uns mit kostenlosen Polikliniken, neuen U-Bahn-Stationen und – auch diesen Sommer wieder – kostenlosen Jazzkonzerten und Theaterworkshops. Deshalb ist uns die Politik egal und wir werden schon gar nicht gegen Sie auf die Straße gehen. Und westlichen OSINT-Experten zufolge ist es bequemer, sich an den 19 mobilen Schwimmbädern zu erfreuen, die die Stadtverwaltung rekonstruiert hat, als an die schweren S400-Flugabwehrraketen zu denken, die kürzlich westlich der Hauptstadt stationiert wurden.

    Oppositionelle Schutzmedien wie TV Rain kündigen bereits einen „Treibstoffkollaps“ oder „Moskau brennt“ statt einer Treibstoffkrise an. YouTube-Kanal I grjanul Grem prognostiziert: „Noch ein Hit und das war’s!“ Doch aus Moskauer Sicht ist ein Ende des Regimes keineswegs in Sicht. Oder wie es der liberale Moskauer Historiker Fjodor Iwanowitsch (Name von der Redaktion geändert) ausdrückt: „Hitlers Armee wurde an allen Fronten geschlagen, sein Land wurde täglich bombardiert, aber Deutschland leistete jahrelang Widerstand.“

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