Verbissene Entschlossenheit – das sind die ersten Worte, die mir in den Sinn kommen, wenn ich an die letzten zwei Wochen denke, die ich in der Ukraine verbracht habe, und an die vielen Soldaten und Zivilisten, die ich dort getroffen habe. Er ist entschlossen, der russischen Offensive zu trotzen und weiter zu kämpfen. Sei es in den Städten, wo Stromausfälle, Wassermangel und Heizung längst zum Alltag gehören, oder weiter weg, wo sich die sogenannte „Todeszone“, in der die Gefahr besteht, von russischen Drohnen entdeckt und angegriffen zu werden, inzwischen rund dreißig Kilometer hinter der eigentlichen Front erstreckt. Krieg ist immer die Abwesenheit von Alternativen. Die Ukrainer haben keine Wahl, denn die Alternative zum Kampf ist nicht Frieden, sondern die vollständige Unterwerfung und Zerstörung ihres Landes durch den russischen Aggressor.
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In diesen Tagen denke ich oft an Rilke und seine Zeilen: „Der Mut ist zu müde und die Sehnsucht zu groß.“ Der Wunsch nach Frieden oder zumindest einem Waffenstillstand wächst. Zivilisten und Soldaten, so mutig sie auch sind, sind erschöpft. Ich bin jedoch sicher, dass die Ukraine diesen Winter überleben wird.
Erstens gibt es in Brüssel erneut Bewegung in einem zentralen Streitpunkt darüber, ob eingefrorene russische Vermögenswerte – insgesamt rund 185 Milliarden Euro, größtenteils in Belgien – künftig als Kredite oder Finanzhilfen für die Ukraine verwendet werden könnten. Die Mittel sollen der Ukraine helfen, sich gegen die russische Aggression zu verteidigen und den Wiederaufbau sicherzustellen.
Zweitens ist die ukrainische Luft- und Raketenabwehr noch lange nicht zusammengebrochen. In den letzten Wochen habe ich neue, teilweise verbesserte Konzepte zur Abwehr von Drohnen und Marschflugkörpern gesehen. Im Bereich der ballistischen Raketen gibt es noch immer keine Alternative zum amerikanischen Patriot-System. Europäische Staaten finanzieren daher den Kauf amerikanischer Flugabwehrraketen und stellen die Versorgung sicher, auch wenn die Mengen nicht den gesamten Bedarf der Ukraine decken.
Drittens wird Russland seinen Druck an der Front in den kommenden Monaten aufrechterhalten, aber widrige Wetterbedingungen werden das Vorrücken erschweren – zum Beispiel die mangelnde Tarnung im wilden Gelände. Die russische Armee versucht, die Städte Kramatorsk und Slowjansk einzukreisen – einerseits von Pokrowsk im Süden nach Norden, andererseits von Liman im Norden nach Südwesten. Der künftige Schlüsselstandort ist Dobropilja, die nächstgrößere Stadt nordwestlich von Pokrowsk, die Russland zunächst erobern muss, um voranzukommen. Solange Teile des Donbass in ukrainischer Hand bleiben, ist ein Waffenstillstand kaum vorstellbar.
Hier ist das Muster der russischen Angriffe der letzten Tage deutlich geworden. Der gezielte Einsatz von Drohnen, Gleitbomben und Artillerie zerstört Zufahrtswege und macht Städte wie Kramatorsk und Slowjansk gefährlich für Zivilisten und Retter.
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Die Ukrainer haben immer noch ihren Platz im Niemandsland der Front. Sie glauben offenbar, dass die kommenden Monate Schocks mit sich bringen werden. Größere Durchbrüche oder ein völliger Zusammenbruch der Front sind jedoch weiterhin nicht in Sicht. Nur eines ist sicher: Der Krieg wird bis 2026 andauern.
