Noch bevor Graham Plattner im Juni die Vorwahlen der Demokraten in Maine gewann, geriet der 41-jährige ehemalige Soldat und Austernfischer ins Kreuzfeuer der Kritik. Missbrauchsvorwürfe durch eine Ex-Freundin waren allgemein bekannt, und eine Tätowierung eines Nazi-Totenkopfes auf seiner Brust sorgte für Schlagzeilen. Doch als die neuen Vorwürfe aufkamen, entzog sogar Senator und linkes Aushängeschild Bernie Sanders seine Unterstützung. Der 84-jährige ehemalige Präsidentschaftskandidat, eine Art Königsmacher für die Partei, forderte Plattner zum Rückzug auf.
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Auf der Suche nach einem sofortigen Ersatzkandidaten
Pikantes Detail beiseite: Die jüngsten Vorwürfe, die Plattners politische Karriere nun beendet haben, stammen von einem Demokraten. Von den Republikanern kamen Vorwürfe, dass es für Sanders keinen Grund gegeben habe, Plattner vor einem Monat fallen zu lassen.
Die Demokraten stehen nun unter Druck, innerhalb von 17 Tagen einen Ersatzkandidaten zu nominieren. Die Chancen, die langjährige republikanische Senatorin Susan Collins zu ersetzen, sind geschrumpft – und mit ihr auch die Chancen, bei den Kongresswahlen im November eine Mehrheit im Senat zu gewinnen. Fast vier Monate vor den Zwischenwahlen versinkt die Partei zunehmend im Chaos.
„Die Heuchelei der Demokratie“
Die Republikaner versuchen natürlich, die Fehler der Demokraten auszunutzen. Eine Partei, die sich schon immer für Frauenrechte und gegen „toxische Männlichkeit“ ausgesprochen habe, soll einen Kandidaten wie Plattner nominiert haben, obwohl viele der Vorwürfe längst bekannt sind. Plattner dominiert seit Tagen die Schlagzeilen des konservativen Nachrichtensenders Fox News. Ein Republikaner nach dem anderen prangerte die „Heuchelei der Demokraten“ an.
Für die Demokraten kommt der Plattner-Skandal zu einer Zeit, in der die Partei intern um ihre Ausrichtung streitet. Erfolgreiche politische Newcomer um Zohran Mamdani wollen die Partei im Kampf gegen Donald Trump weiter links positionieren. Der Bürgermeister von New York führt die sogenannten Demokratischen Sozialisten an. Viele der von ihm unterstützten Kandidaten haben in den letzten Wochen wichtige Vorwahlen gewonnen.
Linker Flügel gegen das Establishment
Allerdings gehen die Ansichten der Sozialisten dem demokratischen Establishment um Senatsführer Chuck Schumer oder New Yorks Gouverneurin Cathy Hochul oft zu weit. Anders als Mamdani oder Alexandria Ocasio-Cortez hat er sich von Anfang an gegen Plattner und seine Absicht ausgesprochen, Steuern für die Reichen zu erheben und zu erheben. Natürlich sind selbst gemäßigte Demokraten keine fiskalpolitischen Falken. Allerdings weisen sie darauf hin, dass beispielsweise in New York und Kalifornien der kombinierte Spitzensteuersatz aus Bundes- und Kommunalsteuern bereits mehr als 50 Prozent beträgt.
Allerdings ist mit Plattners Rückzug ein Sieg der Demokratischen Sozialisten unwahrscheinlich. Den gemäßigten Demokraten fehlen neue Gesichter, die wie Mamdani oder Ocasio-Cortez junge, städtische Wähler ansprechen. Vor allem demokratische Hochburgen wie New York City dürften weiter nach links rücken. Das zeigt zumindest der klare Vorwahlsieg von Darializa Chevalier im Jahr 2023, die sich nach dem Hamas-Terror an pro-palästinensischen Demonstrationen beteiligte und für höhere Steuern für Reiche eintrat. Mamdani unterstützte Chevalier – im Gegensatz zu Schumer.
Die Chancen der Demokraten im Senat schwinden
Demokratische Strategen haben hinter verschlossenen Türen gewarnt, dass Trump und die Republikaner aus dem Streit als lachende dritte Oppositionspartei hervorgehen könnten. Die Demokraten dürften weiterhin die Mehrheit im Repräsentantenhaus zurückgewinnen. Im Rennen um den Senat, nachdem im Mai die Demokraten die Nase vorn hatten, weist der Wettanbieter Polymarket nun wieder die Republikaner als Favoriten aus.
Auch die Zustimmungswerte von Donald Trump haben sich in jüngsten Umfragen leicht verbessert. Mittlerweile sind es knapp über 40 Prozent. Obwohl das eine niedrige Zahl ist, ist sie vor den Zwischenwahlen nicht besonders schlecht. Barack Obama lag vor den Kongresswahlen 2014 bei 43 Prozent, Joe Biden 2022 bei 42 Prozent.
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