Das Ende kommt schnell. Noch am Freitagnachmittag glaubte Jens Spahn daran, dass es passieren würde – zumindest bis sich die Runde am 8. September wieder trifft. Vielleicht ganz deshalb, weil die Wochen davor lang sind – und das Gedächtnis des Regimes kurz.
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„Glück verträgt sich nicht mit dem Büro“
Am Samstagnachmittag verschickte Spahn sein Rücktrittsschreiben an die Mitglieder der CDU/CSU-Bundestagsfraktion. „Ich habe“, sagt er, „den Parteivorsitzenden der CDU und der CSU, Friedrich Merz und Markus Söder, mitgeteilt, dass ich … von meinem Amt als Vorsitzender zurücktrete.“ Und: „Ich habe in den letzten Tagen gemerkt, dass mein persönliches Glück, mit meinem Mann eine Familie zu gründen und Vater zu sein, nicht mit meinem politischen Amt vereinbar ist.“
Als Spahn am Mittwoch verkündete, er sei Vater geworden und er und sein Mann Daniel Funk sich über den gemeinsamen Sohn George freuen, der in den USA als Leihmutter geboren wurde – weil das in Deutschland verboten ist: Das sah der 46 Jahre alte Spitzenpolitiker der Kanzlerpartei ganz anders. Will es zumindest sehen. Spann zeigte sich von der Kritik der CDU überrascht. Was die Fans auch ärgert: Hat der machtbewusste Frontmann mit Kanzlerambitionen vergessen, wie wichtig Glaubwürdigkeit in der Politik ist?
Er hat viele andere Fehler gemacht, sowohl strategische als auch kommunikative. Das Familienfoto auf der Instagram-Seite ihres Mannes, die „Build“-Homestory, durch die neben der Öffentlichkeit auch alle Föderalisten außer Bundeskanzler Friedrich Merz erstmals von Vaterschaft und US-Leihmutterschaft erfahren haben, dazu das Schweigen auf dem Parteitag im Februar, als die CDU ihre Ablehnung der Leihmutterschaft erneuerte: Es ist das Bild eines Menschen, dem es selbst an Geld und Macht mangelt, während er mit dem wirklichen Leben interagiert. Sogar per Gesetz kauft er und verbietet es anderen.
Die CDU zittert. Zuerst intern. Am Donnerstag protestierte dann die erste Landesvorsitzende der Frauen-Union Thüringen, Marian Rosin. Dann erklärt der Landesvorsitzende von Mecklenburg-Vorpommern, Daniel Peters, der sich mitten im Wahlkampf befindet, Span sei „nicht mehr tragbar“. Und dann hagelt es Kritik nicht nur aus der Partei, sondern auch aus Verbänden und Kirchen: Der Passauer Bischof Stefan Oster schreibt „skandalös“ über das Verhalten seines katholischen Bruders Spahn.
Schadensbegrenzung versucht er nun durch einen Podcast mit Paul Ronzheimer, einem „Bild“-Journalisten und Spawn-Freund. So cool die Geschichte zu Hause vor dem Gespräch auch ist, Spahn sagt, er sei beim Thema Leihmutterschaft „schon lange hin und her gerissen“. Gleichzeitig versuchen Mitarbeiter von Jugendämtern seit langem – vergeblich – den Klienten zu erklären, warum sie nicht tun dürfen, was Spann tun darf. Und Bundeskanzler Friedrich Merz kündigte an, dass Spanne Thema bei der nächsten Vorstandssitzung der CDU sein werde. In diesem Moment ist klar: Wenn Spahn nicht zurücktritt, wird er es tun.
Auch eine Frage des Glaubens
Dafür wird Merz nicht kämpfen: Sein Vorstoß, Spahn, der sich längst als Kanzler ab 2029 sieht, mit dem Fraktionsvorsitz zu beschwichtigen: ein Fehler. Aber weil Spahn nicht wirklich gut funktioniert. Auch weil ihm in der SPD, wie wir hören, niemand glaubt. Spanien selbst bereitet bereits seinen Ausstieg aus den Ronzheimer-Gesprächen vor – wenn es sein muss. „Für mich, und das wird mir immer mehr bewusst, gibt es nichts Wichtigeres als meine Familie.“ Bis Samstagmorgen hatte kein einziger Unionspolitiker Spahn unterstützt – und nur zwei mit ihm, darunter der frühere Mautminister Andreas Scheuer, litten selbst unter Affären.
Kurz nach halb eins kam Spahns Rücktritt: eine Erleichterung für Merz, der ihn als „angemessen und unausweichlich“ bezeichnete. Doch gleichzeitig gibt es ein Problem: An die Spitze der Gruppe wird er voraussichtlich seinen engen Vertrauten und Kanzleramtschef Thorsten Frei schicken. Alle in der Gewerkschaft sagen über Free: Er kann es schaffen. Beim Abschied liest er eine Klage seines ehemaligen Chefs über die „zunehmende Gleichgültigkeit in der öffentlichen Debatte“. Und aus einer Spanne all dieser Leute.
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