Nach seinem Karriereende: Der ehemalige HSV-Profi Louis Holtby lobt die Entwicklung im Volkspark und erklärt, warum die Zusammenarbeit mit Merlin Polzin für ihn ein wichtiges Signal ist.
Nach fast 20 Jahren als Profifußballer gab Lewis Holtby diesen Sommer seine Karriere bekannt. Sein letzter Verein war der absteigende niederländische Erstligist NAC Breda. Die Vereine, für die er am häufigsten spielte, waren der HSV (138 Mal) und Holstein Kiel (107 Mal). Es macht Sinn, dass der 36-Jährige Hamburger und die Störche weiterhin fest im Blick hat. In einem Interview fällte Holtby ausführliche Urteile – unter anderem über Merlin Polzin.
Der Ex-Profi nahm mit Wohlwollen zur Kenntnis, dass das Trainerteam um den gebürtigen Brumfelder trotz des schwierigen Saisonstarts des HSV mit drei Bundesliga-Niederlagen in Folge seinen langfristigen Aufenthalt im Volkspark kürzlich verlängert hat.
So sieht Ex-HSV-Profi Holtby Polzins Verlängerung
„Obwohl der HSV eine kritische Phase hatte, brach nicht sofort alles zusammen, aber sie haben den Vertrag des Trainers trotzdem verlängert“, sagte Holtby gegenüber SHZ und deutete an: „Vor ein paar Jahren hätten sie das Angebot zurückgezogen und einen neuen Trainer geholt. Man sieht jetzt Struktur, eine klare Identität und eine positive Einstellung, die der Verein zurückgewonnen hat.“
Der ehemalige Mittelfeldspieler erlebte in Hamburg verschiedene Phasen. Manchmal wurde der Abstieg einfach verhindert, wie 2015 in der Relegation gegen den KSC oder 2017 im letzten Spiel gegen den VfL Wolfsburg. Der Trainer wechselte mehrmals: Holtby spielte beim HSV unter Bruno Labadia, Markus Gisdol, Hannes Wolff, Christian Tietz, Joe Zinnbauer, Peter Knebel und Mirko Slomka.
Nach dem Abstieg blieb er noch ein Jahr. 2019 wurde sein Vertrag nicht verlängert, nachdem er vor dem Spitzenspiel gegen Union Berlin darum gebeten hatte, nicht nominiert zu werden, da er nicht in der Startelf stehen sollte. Holtby musste in Hamburg viel ertragen und wurde zeitweise als einer der größten Sündenböcke der Mannschaft dargestellt.
Louis Holtby erkennt „einen weiteren HSV“
Nun erkannte er die Veränderungen: „Es ist ein anderer HSV geworden. Er hat wieder eine extrem hohe Ausstrahlung, eine extrem hohe Identität. Man sieht einen großen Zusammenhalt.“ Darauf legt auch der ehemalige HSV-Trainer Tim Walter von Holstein Kiel großen Wert. Auch der KSV sei „ein Traditionsverein, aber in einer anderen Dimension“, sagte Holtby, der mit den Kielern 2024 in die Bundesliga aufgestiegen ist. „So eine Entwicklung braucht einfach Zeit.“
Dank der nur einjährigen Pause aus der ersten Liga rückte Holstein auf der deutschen Fußballlandkarte noch stärker in den Vordergrund. Heute kehrt der Fjordalltag in die 2. Liga zurück. Und in Holtby? Er genießt seine neue Freizeit nach seinem Karriereende und gab im Interview mit „SHZ“ zu: „Das ist ungewohnt, weil die Abläufe anders sind. Früher hat mir immer jemand gesagt, wann ich irgendwo sein soll und was dort passieren wird. Und das über 19 Jahre plus die Zeit davor in meiner Jugend. Jetzt ist das Leben anders, weil ich alles selbst machen muss.“
Der ehemalige Nationalspieler möchte nun Trainer werden
Im August versuchte sich der dreimalige A-Nationalspieler kurzzeitig als TV-Experte und nahm am Zweitliga-Auftakt zwischen dem VfL Bochum und Hertha BSC teil. Sein Schwerpunkt liegt jedoch auf der Ausbildung von Trainern. Derzeit besucht er einen Lehrgang für Ex-Profis, bei dem innerhalb eines Jahres die B- und A-Lizenz erworben werden kann.
„Mein Ziel ist es, dann Fußballlehrer zu werden und dann im Profifußball zu arbeiten. Das liegt mir sehr am Herzen. Ich muss auf dem Platz stehen und mit Menschen arbeiten“, erklärte Holtby und fuhr fort: „Ich glaube, dass ich dem Sport noch viel mehr geben kann. Ich habe 19 Jahre Fußballerfahrung auf den unterschiedlichsten Ebenen: Erfolge, Misserfolge, viele erfahrene Trainer – es war eine wirklich gute Ausbildung.“ Und seine Jahre beim HSV waren die intensivsten.
